Reges Schülerinteresse an der Zukunft Europas

Kritische Betrachtung der EU-Erweiterung
Miltenberg. Rund 150 Schülerinnen und Schüler des Johannes-Butzbach-Gymnasiums aus der Kollegstufe und den zehnten Klassen haben am Montag die Chance ergriffen, sich im Rahmen eines Europatags über die EU zu informieren. Vier Politiker standen in einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort.

Geladen waren vier Politiker aus Unterfranken: Dr. Anja Weisgerber (Europa-Abgeordnete der CSU), Christine Scheel (Bundestagsabgeordnete der Grünen), Heidi Wright (Bundestagsabgeordnete der SPD) und Thomas Mütze (Landtagsabgeordneter der Grünen). Im Mittelpunkt sollten bei dieser Veranstaltung allein Fragen und Meinungen der Jugendlichen stehen. »Wir wollen hier keinen vorgezogenen Wahlkampf sehen«, mahnte Moderator Dietmar Woesler vor der Podiumsdiskussion. Nur maximal zwei Minuten durfte jeder Politiker nach jeder Frage sprechen. »Poltiker haben die Angewohnheit, schnell in Belehrungen und lange Reden zu verfallen. Das wollen wir heute verhindern«, erklärte er. Statt dessen sollten sich die Politiker auf die Fragen der Jugendlichen einlassen.
Mit Erfolg: Die Podiumsdisukssion drohte nicht ein einziges Mal zu verebben. Einiges hatten die Jugendlichen bereits in ihren Sozialkunde-Kursen vorbereitet. Doch viele Fragen kamen auch spontan aus dem Publikum. Die Schüler interessierten sich vor allem für den Inhalt und die möglichen Auwirkungen der Europa-Verfassung.
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Die Erweiterung der EU war ebenfalls ein großes Thema an diesem Vormittag. Die Jugendlichen äußerten ihre Bedenken über eine überstürzte Vergrößerung der Europäischen Union in den nächsten Jahren. Die Politiker sollten erst einmal versuchen, das bisherige Gebilde zu organisieren, bevor man an die Aufnahme von weiteren Staaten denke, so die Meinung der Schüler. Die Betrachtung der Türkei als möglichen Aufnahmekandidaten lag den Jugendlichen aber dennoch am Herzen.

In kleinen Gruppen diskutiert

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die Schüler die Möglichkeit, in kleineren Gruppen zu bestimmten Themen mit den vier Politikern weiterzudiskutieren. Dr. Anja Weisgerber informierte über die Zukunft der Europäischen Union; Christine Scheel und Heidi Wright sprachen mit den Jugendlichen über die Verfassung und über die Aufgabe nationaler Parlamente in der EU. Thomas Mütze stand für Diskussionen über aktuelle Europapolitik und über Globalisierung bereit.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom »Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit«. Seit zehn Jahren reist der Verein von Schule zu Schule, um Jugendliche über Europa zu informieren. In Bayern hat es bisher kein großes Interesse an der Arbeit des Instituts gegeben; im Freistaat durften sie erst zweimal Halt machen - das erste Mal vor zwei Wochen am Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach.

Das Ziel der »Europatage« ist es, das Interesse der Jugend für Europa zu verstärken, junge Menschen zu Fahrten ins Ausland zu bewegen und die Auseinandersetzung mit aktueller Politik.

(Quelle: abb, in: Bote vom Untermain, 20. Juli 2005)
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