Von der Big Band bis zum Schüler des Jahres

Johannes-Butzbach-Gymnasium erreicht zweiten Platz
bei Innovationspreis für Schulentwicklung




Ein dickes Lob hat das Johannes-Butzbach-Gymnasium Miltenberg am Freitag, 17.02.06, von Kultusminister Siegfried Schneider erhalten. Eine siebenköpfige Delegation nahm im Dachauer Schloss die Auszeichnung entgegen, die das Gymnasium für den zweiten Platz beim "Innere Schulentwicklung Innovationspreis" erhalten hat.
Neben Schulleiter Joachim Fertig nahmen die Lehrer Birgit Leistert, Roland Specht und Werner Kimmel, die Schülervertreterinnen Ulrike Geiger und Christina Wolf sowie Elternvertreter Klaus Huhn teil. Für ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren erhält die Schule ein Preisgeld von 4000 Euro.
Christina Wolf fand die Preisverleihung genauso spannend wie eine Oscar-Verleihung. Klaus Huhn meinte, "bereits die Tatsache, dass die Preisträger in einer so hochkarätigen Veranstaltung geehrt wurden, zeigt das Interesse der im Bildungspakt Bayern Beteiligten an einer optimalen inneren Schulentwicklung". Beratungslehrer Roland Specht wertete den Preis als "wohltuende Bestätigung des gemeinsamen Weges, den wir eingeschlagen haben."


K r e i s  M i l t e n b e r g .
Sinus-Transfer, Päpsypoint, Self-Projekt - ganz so kompliziert, wie sie klingen, sind die Projekte des Johannes-Butzbach-Gymnasiums nicht. Dafür um so erfolgreicher: Für ihr Angebot in den vergangenen Jahren hat die Miltenberger Schule gestern den zweiten Platz beim "Innere Schulentwicklung Innovationspreis" erreicht.


Joachim Fertig und eine sechsköpfige Delegation aus Lehrern, Schülern und einem Elternvertreter nahmen in Dachau den zweiten Preis in Höhe von 4000 Euro entgegen. Bis dahin hatten sie einen langen Weg hinter sich. Vor gut einem Jahr reichte die Schule ihre umfangreiche Bewerbung ein. Eine fünfköpfige Jury erkundigte sich beim Johannes-Butzbach-Gymnasium vor Ort.

Die Präsentation war überzeugend: "Einen fundierten Schulentwicklungsprozess" und eine "beeindruckende Außenwirkung mit Projekten im musikalisch-künstlerischen Bereich", wurde der Schule bei der Preisverleihung bestätigt. "Da hat mein Vorgänger gute Arbeit geleistet", sagt Schulleiter Joachim Fertig, der das Gymnasium seit zwei Jahren leitet. Die meisten Projekte sind schon unter dem früheren Leiter Dietmar André ins Rollen gekommen, betont er. Dass er trotzdem mächtig stolz ist auf die Auszeichnung, kann Fertig, der selbst am Johannes-Butzbach-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, nur mit Mühe verbergen. Sein Gesicht strahlt, als er zu dem Exposé greift, in dem die Schule ihre Arbeit vorstellt.

Ganze 90 Seiten füllt die Beschreibung dessen, was Lehrer, Schüler und Eltern in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben - vom Musical bis zum Betriebspraktikum, von der Aktiven Pause bis zur Schulverfassung, von der Big Band bis zum Schüler des Jahres. Fertig liegen gerade jene Vorhaben wie das Drei-Säulen-Modell am Herzen, deren Erfolg nicht immer gleich auf der Hand liegen. Es trainiert die Schüler, selbstbewusst erwachsen zu werden und zu lernen, wie man lernt. Ob eine Schule das vermitteln kann, zeigt sich oft erst viele Jahre später. Doch gerade das macht die langfristige Arbeit so wichtig, erklärt der Schulleiter.

Viele Aktionen sind Teil des Unterrichts, für andere opfern Schüler ihre Freizeit. Als die Schule etwa Chinesisch-Unterricht am Nachmittag anbot, habe man mit etwa zehn Interessenten gerechnet. "Auf Anhieb meldeten sich 40 Schüler, die alle Chinesisch lernen wollten", berichtet Fertig. Freilich hängt der Erfolg eines Projekts davon ab, ob ein Lehrer seine Schüler mitreißen kann. Die Kollegen am Johannes-Butzbach-Gymnasium können das, betont der Schulleiter: "Sie sind unheimlich begeisterungsfähig." Und das trotz des erweiterten Unterrichtsdeputats. "Man merkt den Lehrern an, dass sie die zusätzliche Arbeitszeit mitnimmt, aber für diese Dinge entwickeln sie unglaubliche Kräfte." Um sich fortzubilden, tauschen sich Mathematik- und Physiklehrer des Gymnasiums im Rahmen des so genannten Sinus mit Kollegen aus Elsenfeld und Marktheidenfeld aus. Andere Lehrer treffen sich im pädagogisch-psychologischen Gesprächskreis "Päpsypoint". Auch unter Joachim Fertig ging das Johannes-Butzbach-Gymnasium neue Wege. Es gehörte zu den Schulen, die das Suchtpräventionsprojekt "Self" erstmals testeten und organisierte als zweites Gymnasium Bayerns einen Europatag.

Jetzt will Fertig mit Vorhaben wie der Teilnahme an "Jugend forscht" auch die Naturwissenschaften sichtbar machen. Keine leichte Arbeit, sagt er, aber eine schöne. "Für mich ist das positiver Stress", betont Fertig. "Man bekommt dann etwas, dass sonst eher selten ist: Zufriedene Schüler. Das entschädigt für vieles Andere."

(Quelle: Sabine Dreher, Bote vom Untermain, 18./19.02.2006)

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