Dr. Wenzel von Reis Robotics im Butzbach-Gymnasium:

»Erziehung nicht als Aufgabe der Wirtschaft begreifen«



M i l t e n b e r g . Über die "Anforderungen und Einstellungskriterien für Auszubildende und Hochschulabsolventen bei Reis Robotics" informierte am vergangenen Mittwoch Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer der Firma Reis Robotics (Obernburg) das Kollegium des Johannes-Butzbach-Gymnasiums. Die ist einer Pressemitteilung des Gymnasiums zu entnehmen.
An diesem so genannten Pädagogischen Tag setzten die Lehrer in Workshops die Anregungen aus dem Referat um. Michael Wenzel stellte zunächst knapp sein Unternehmen vor. Reis Robotics produziert für den Weltmarkt Industrieroboter und verfügt am Standort Obernburg über etwa 730 Mitarbeiter. Der hart umkämpfte Markt erfordere einen hohen Produktionsstandard. Nur gute Mitarbeiter seien imstande, dies zu erfüllen. Für die Facharbeiter, Techniker und Ingenieure würden besondere Maßstäbe gelten.
Schließlich berichtete Michael Wenzel anhand von Beispielen aus der Praxis über die Defizite, die viele Bewerber aus der Schule mitbrächten. Er nannte zwei Bereiche: Die "Soft Skills" (soziale Kompetenzen), worunter mangelnde Motivation und Einsatzbereitschaft, fehlende Höflichkeit, mangelnde Eigeninitiative und Pünktlichkeit fallen. Michael Wenzel kritisierte aber auch den Rückgang bei den schulischen Kenntnissen, besonders in Mathematik und Deutsch. In der anschließenden Diskussion betonte er die Wichtigkeit der "Soft Skills" für eine erfolgreiche Bewerbung. Die Industrie setze diese Fähigkeiten und Verhaltensweisen als selbstverständlich voraus. Der Schule komme dabei eine besondere Aufgabe zu, denn es bestehe ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den schulischen Leistungen und den sozialen Kompetenzen. "Die Wirtschaft fühlt sich nicht dazu berufen, erzieherische Aufgaben zu übernehmen", so Michael Wenzel, "da die Auszubildenden sofort in den laufenden Produktionsprozess eingebunden werden. Die im Team hergestellten Werkstücke müssen passgenau sein."
An Bewerber aus dem Hochschulbereich zur Einstellung in ein Arbeitsverhältnis stelle die Industrie erhöhte Anforderungen. An erster Stelle nannte er die Aufbereitung der Bewerbungsunterlagen. Zudem würden eine möglichst kurze Studiendauer, weitergehendes Engagement, Sprachkenntnisse und Auslandsaufenthalte erwartet. Der Hochschulabsolvent solle zeigen, dass er sich zielgerichtet auf seinen künftigen Beruf vorbereitet habe. Ein Student könne mehrwöchige Sprachkurse in den Semesterferien belegen. Als langfristige Faktoren in der Industrie für gehobene Positionen nannte Michael Wenzel die Flexibilität bei Aufgaben und Einsatzorten, Offenheit gegenüber Veränderungen, den angemessenen Umgang mit Kunden, Kollegen, Vorgesetzten und Untergebenen sowie die Akzeptanz der Randbedingungen des "Systems".

Werner Kimmel, in: Bote vom Untermain, 18.11.05

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