Zuckersüße Kirchen und pompöse Pumps

Gymnasiasten stellen selbstentworfene Kunstobjekte in Miltenberger Geschäften aus

M i l t e n b e r g .   Querflötentöne im »Staccato« am Mittwochnachmittag? Ungewöhnlich, dachten sich einige Passanten, folgten den Klängen und standen mitten in einer Vernissage. Schüler des Johannes-Butzbach-Gymnasiums haben unter Anleitung von Referendarin Mirjam Krausert Kunstobjekte entworfen, die in sieben Geschäften in der Fußgängerzone ausgestellt sind. »Die Kunst zu verkaufen« - unter diesen Titel hat Kunstreferendarin Mirjam Krausert die Arbeiten ihrer Schüler aus sechsten, siebten, neunten und elften Klassen gestellt. »Ich wollte, dass sich die Schüler mit Konsumverhalten, der Gesellschaft und letztlich mit sich selbst auseinandersetzen« sagt Krausert. Sie stellte den Schülern die Aufgabe, Gebrauchsgegenstände so zu gestalten, dass sie jemand so attraktiv findet, dass er sie kaufen würde. Dabei setzte die angehende Kunstlehrerin der Kreativität der Jugendlichen keine Grenzen: Entstanden sind herrlich bunte Kunstwerke. Ein ausgetretener, beigefarbener Wanderschuh hat sich zum leuchtend lachenden Rentierkopf gemausert; ein Stöckelschuh blinkt glamourös aufgemotzt unter Schmuck, Watte und Spiegelchen. Zum Ausruhen nicht mehr geeignet ist ein roter Stuhl mit goldener Klobrille - fantasievoll »der Thron« genannt. »Vier Doppelstunden haben wir für unsere barocke Kirche gebraucht« berichten Konstanze Körner (13) und Eva-Maria Schmidt (15) stolz. Mit Wasser und Puderzucker verklebten sie hunderte von Würfelzuckern zu einer süßen Barockkirche in strahlendem Weiß, die jetzt bei der Bäckerei Hench zu bewundern ist.

Barockkirche aus Würfelzucker

Beeindruckt von der Vernissage, die musikalisch von Lena Rosenberger und Judith Hench gestaltet wurde, war auch Kulturreferentin Gaby Schmidt. »Miltenberg ist von Kunst umgeben und daher passt diese Ausstellung mitten in der Stadt sehr gut hierher«, meinte sie. Gleichzeitig dankte sie Oberstudiendirektor Joachim Fertig, dass er dieses Projekt so tatkräftig unterstützt und damit der Kreativität Platz im Stundenplan eingeräumt hat. Krausert selbst weiß, dass sie mit ihrer Idee den beteiligten Geschäftsleuten viel zugemutet hat: »So ein Projekt braucht Vertrauen, schließlich wussten die Geschäftsinhaber nicht, was sie in ihre Läden gestellt bekommen«. Bis jetzt hat es aber noch keiner bereut: Die Besucher waren am Eröffnungstag angetan - so sehr, dass mancher schon während der Ansprachen Kaufinteresse bekundete. Die Kunststücke sind nicht nur im »Staccato« (Steinwinter) zu sehen, sondern in allen Geschäften von Anton Steinwinter, in der Buchhandlung Halbig, im Café Hench, bei Werner Oehmann, Mode für Männer und bei Brillenoptik Niendorf. Die meisten Modelle der Gymnasiasten stehen in den Läden; vereinzelt schmücken sie auch die Schaufenster in der Miltenberger Innenstadt. Einige der Arbeiten können nach Ausstellungsende am Samstag, 22. Dezember, käuflich erworben werden. Die Objekte, die mit einem roten Punkt versehen sind, sind unverkäuflich - von denen wollen sich die Schüler nicht trennen.

(Quelle: Anja Keilbach, in: Bote vom Untermain, 15.12.2006)

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