Erfolgreicher Einsatz gegen rechts

Bundeswettbewerb: Preis für Schülerzeitung -
Maria Horn und Franziska Schlegel schreiben über Neonazis

Miltenberg. Mit einem engagierten Schwerpunkt über Neonazis hat die Schülerzeitung "Cabutzino" des Johannes-Butzbach-Gymnasiums beim Schülerzeitungs-Wettbewerb der Länder einen Sonderpreis gewonnen. In dem Wettstreit, den die Kultusministerkonferenz und die Jugendpresse Deutschland jährlich ausrufen, gewannen die Miltenberger in der Kategorie "Medien mit Mut" für drei Beiträge zum Thema Rechtsradikalismus.

Aussteiger und Stadtpfarrer

Die Abiturientinnen Maria Horn und Franziska Schlegel (beide 19) nahmen die Urkunde und das Preisgeld in Höhe von 250 Euro am vergangenen Donnerstag im Plenarsaal des Bundesrats in Berlin entgegen. Sie hatten in der Ausgabe vom Februar 2008 darüber geschrieben, was Jugendliche in die braune Szene zieht, was einen Aussteiger bewegt und warum der ehemalige Stadtpfarrer und jetzige Weihbischof Ulrich Boom 2006 seine Kirchenglocken so lange läuten ließ, bis die NPD eine Kundgebung abbrach.

"Eigentlich hatten wir die Artikel zum Wettbewerb bayerischer Schülerzeitungen eingereicht, aber da nichts gewonnen", erklärt Deutsch- und Geschichtslehrer Christoph Grein. Doch die Bayern leiteten die Texte für den Sonderpreis nach Berlin weiter. Stifter dieses Preises ist die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich für eine demokratische Zivilgesellschaft einsetzt. Am Wettbewerb hatten insgesamt 1800 Schulen aus ganz Deutschland teilgenommen.

"Ich freue mich voll über den Preis, vor allem, weil wir nach Berlin fahren durften", sagt Maria Horn. Gleich nach der mündlichen Prüfung am Dienstag war sie mit Franziska Schlegel losgefahren. Es sei toll gewesen, Redakteure anderer Schülerzeitungen kennenzulernen, die auch mal gegen den Widerstand des Rektors eine Zeitung herausgeben. "Bei uns läuft ja alles sehr wohlgeordnet", sagt Maria. Die Abiturientin glaubt nicht, dass ihre Artikel allzu viel bewirkt haben. "Ich kenne auf unserem Gymnasium keinen Rechtsradikalen, also konnten wir auch keinen aufrütteln", sagt sie. "Aber ein paar haben vielleicht über das Thema nachgedacht."

Thema und Kontakt

Das Thema hatte Grein vorgeschlagen: "Wir wollten auch mal was Politisches machen." Den Neonazi-Aussteiger brachte dann Maria ins Spiel. "Ich hatte ihn auf einer Party kennen gelernt, also beschäftigte mich das Thema", erinnert sie sich. Doch die Befragung wurde schwieriger als gedacht: Name und Foto waren tabu, weil der Aussteiger Angst vor Repressalien hatte, ein langes Interview kam nicht zustande. Nur ein paar Fragen beantwortete er, die Maria mit ihren Beobachtungen zu einem Artikel verarbeitete.

"Wir haben den Preis aber nicht nur dafür, sondern für alle drei Artikel zusammen bekommen", betont Maria. Am Sonntag fahren Franziska und sie erst einmal zur Abifahrt nach Bulgarien, im Oktober geht das Studium los. Franziska will Tierärztin werden, Maria Germanistin oder Soziologin. "Jetzt nach Berlin", sagt sie verschmitzt, "könnte ich mir aber auch vorstellen, Journalistin zu werden."

(Quelle: Mathias Himberg, in: Bote vom Untermain vom 04.06.2009)

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