Sambachshof 2009

Es war so weit. Wie jede Kollegstufe 12 fuhren auch wir, die zukünftigen Abiturienten von 2010, für 5 Tage mitte Januar auf den Sambachshof. "Was ist das, der Sambachshof?", werden sich jetzt sicher einige fragen. Diese Einrichtung ist ein "anerkannter Träger der politischen Erwachsenenbildung" und kann "auf eine langjährige Zusammenarbeit mit der Bundeswehr zurückblicken und auf entsprechende Erfahrungen bei der Durchführung von Seminaren zurückgreifen." Demzufolge geht es um politische Erwachsenenbildung. Der Sambachshof ist so rennomiert, dass selbst die Bundeswehr einige ihrer Soldaten zur politischen Fortbildung dort hinschickt. Es werden Seminare zu verschiedenen Themenkreisen angeboten, wie z. B. Europäische Außen- und Sicherheitspolitik.

Ziemlich gespannt fuhren also knapp 80 Schüler früh morgens an der Schule los. Wir waren uns nicht einhundertprozentig sicher, wo genau es hinging. Da ein Tagesausflug nach Weimar und Buchenwald im Programm enthalten war, dachten wir uns, dass der Sambachshof schon irgendwo dort in der Nähe liegt. Fast richtig... Der Sambachshof liegt zwischen Sulzfeld und Bad Königshofen. Ok, wo ist denn das schon wieder? Brauchen sie eine Wegbeschreibung? Es ist nämlich wirklich nicht einfach zu finden. Der Ort ist sehr klein und liegt zwischen mehreren Hügeln versteckt. Zum Glück waren unsere Busfahrer schon öfters dort und wir hatten ein Navi. Also grob gesagt, sind es 150 km bis nach Weimar.. Es gibt dort die Tagungsstätte, in welcher wir uns aufhielten, eine Kneipe, die dem Anschein nach dauergeschlossen ist und ... mhm ja ich glaube das war schon ziemlich. Wir hörten, dass dort im Winter viel Schnee liegen würde, also packten wir viele warme Sachen ein. Bei uns in Miltenberg ging es schon in eisiger Kälte los und als wir ankamen, nun ja, wie soll man sagen? Die Busse kamen kaum die steilen Hügel zum kleinen Dorf hoch. Es war kalt, glatt und es schneite. Die mitgefahrenen Betreuungslehrer, Herr Kimmel, Frau Ursula Lehmann und Frau Yvonne Wiesinger, verteilten bei unserer Ankunft die Zimmer. Das ganze Gebäude ist relativ neu, bzw. die Zimmer sind fast alle frisch rennoviert. Die Zweier- bis Dreierzimmer sind groß, sauber und gemütlich. Einen Balkon gab es auch und jedes Zimmer hatte sein eigenes geräumiges Bad mit Dusche und Toilette. Also alles nicht halb so schlimm wie wir es befürchtet hatten. Jetzt musste nur noch das Essen gut sein. Und das war es. Das Frühstück war reichhaltig und abwechslungsreich, das Mittagessen bestand aus Suppe als Vorspeise, Salat vom Büffet, Hauptgang und einem Dessert. Also alles in bester Ordnung. Wir würden nicht verhungern, denn alles schien essbar.

Zurück Vorwärts

Nach unseren komfortablen Reisebussen wurden wir in zwei Gruppen zu je ca. 40 Personen eingeteilt, da die Seminarräume nicht groß genug für 80 Personen waren und wer weiß, wie chaotisch es sonst während den Seminaren abgelaufen wäre.

Nach einer kurzen Freizeit, in der wir die Zimmer bezogen, fanden schon die ersten Seminare statt. Für Gruppe eins ging das erste Seminar über internationale Beziehungen los. Leiter war Herr Rümenapp, der Leiter des Fortbildungszentrums. Jeder erhielt einen Fragebogen mit mehreren Fragen über Außenpolitik, internationale Politik und internationle Beziehungen, den wir zuerst einzeln ausfüllten und später gemeinsam besprachen. Anschließend teilten wir uns in Kleingruppen auf, jeder bekam einen anderen Arbeitsbereich wie z.B. Afghanistan. Einen Text dazu gab es auch und selbstständig mussten wir Fragen dazu bentworten. Dannach stellte jede Gruppe ihren Arbeitsbereich als eine Art Referat vor. Zwischenduch wurden kurze Pausen zur Entspannung und zur Neukonzentration eingelegt. Das erste Seminar war nach dem ersten Tag beendet und am nächsten Tag sollte es nach Weimar und Buchenwald gehen.

Früh morgens also in den Bus und losgefahren. Nach ca. Zwei Stunden Fahrt kamen wir in Buchenwald an. Buchenwald war von 1937 bis 1945 ein Arbeitslager. Unter fürchterlichen Bedingungen waren hundertausende Menschen durch das Hitlerregime dazu gezwungen dort zu arbeiten. Wir bekamen eine Führung und die Vergangenheit des Arbeitslagers eindringlich gezeigt. Für einige war dies zu viel. Es ist etwas ganz anderes, das alles in Wirklichkeit zu erleben als es im Geschichtsunterricht mitzubekommen. Nach der Führung ging es weiter nach Weimar, dort erhielten wir eine Stadtführung und hatten anschließend Freizeit. Wir erkundeten Weimars Altstadt, tranken Kaffee, kosteten die leckere Thüringer Bratwurst im Brötchen und deckten uns mit den dringend benötigten Gegenständen für die drei weiteren Tage ein.

Abends kamen wir wieder auf dem Sambachshof an. Die zweite Gruppe erzählte von ihrem anstrengenden Seminar und wir von dem relativ schönen Tag in Weimar und dem Schrecken, den Buchenwald bei uns hinterlassen hatte. Das kommende Seminar sollte zwei Tage dauern und ein Planspiel beinhalten. Am ersten Tag wurde geklärt, was die EU ist, welche Mitglieder sie hat und uns wurden die Institutionen der EU vorgestellt. Wir erfuhren dass die wichtigsten Organe der EU das europäische Parlament, die europäische Kommission, der Ministerrat, der europäische Rat und der europäische Gerichtshof sind. Anschließend gab es wieder Aufgaben zu jeder einzelnen dieser Institutionen, welche in Kleingruppen bearbeitet und anschließend vorgestellt wurden.

Am darauffolgenden Tag besprachen wir die europäische Außen- und Sicherheitspolitik und nach einer kurzen Pause begannen wir mit dem Planspiel. Unsere reale Ausgangslage wurde uns vorgestellt, nämlich dass in Algerien bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Anschließend wurde uns die fiktive Entwicklung der letzten Tage dargelegt: In Marseille explodieren Autobomben, es geschehen Selbstmordattentate und sonstige Anschläge. Täter sind Algerier die mit ihrer Lage unzufrieden sind. Algerien bittet um militärische Hilfe Frankreich im Bürgerkrieg. Es wird eine "Außerordentliche Sitzung des Rates für Allgemeine Angelegenheiten und Außenbeziehungen" einberufen. Dieser Rat waren wir Schüler. Zu zweit bekamen wir ein Land zugeteilt und sollten gemeinsam einen Ausweg aus der Misere suchen. Jedes Land hate eine andere Einstellung. Wir diskutierten und diskutierten und nach einer halben Ewigkeit kamen wir zu einem Ergebnis: Eine Art Entwicklungs- und Aufbauhilfe sollte geleistet werden. Wir besprachen das Planspiel, unsere Fehler und das, was positiv lief.

Am nächsten Tag trafen wir uns nocheinmal und ließen die Woche revupassieren. Alles in Allem war die Woche gelungen und die, die es wollten, lernten eine Menge dabei. Gruppe zwei machte alles in umgekehrter Reihenfolge wie die hier beschriebene Gruppe eins. Es war eine im Allgemeinem schöne, lehrreiche Woche. Das Einzige, was vielleicht nicht ganz so lief wie gedacht waren die Abende. Chaos herrschte hier und dort, niemand wusste so recht, was er mit sich anfangen sollte und so saßen wir relativ gelangweilt vor den beiden Fernsehern, dennoch, ins Bett wollte niemand so wirklich.

Chantal Lukas, K 12
 


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