60 Jahre zurück in die Vergangenheit -
das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Als wir nach der ca. zweistündigen Fahrt in Nürnberg ausstiegen, standen wir vor einem teilweise 39 Meter hohem, aus großen Steinquadern errichtetem "Etwas". Dieses "Etwas" war die nie vollendete Kongresshalle. Und genau hier begann unsere Führung. Als man uns erklärte, dass die Steine der äußeren Granitverkleidung teilweise von den KZ-Häftlingen abgebaut wurden, die dabei auch ums Leben kamen, dämpfte das für einen kurzen Augenblick unsere gute Laune. Aber keine Zeit, sich mit diesem einzelnen Gedanken zu beschäftigen. Vor uns lagen noch ein paar Stunden, in denen wir noch genug über alles erfahren würden und unser mehr oder weniger vorhandenes Geschichtswissen erweitern konnten. Unsere gute Laune kehrte zurück, wozu das warme und sonnige Wetter wohl ein Stück mit beigetragen hat. Man führte uns in das Innere der Kongresshalle, das heute als Parkplatz dient. Nachdem wir auch einmal in dem Bogengang standen, ging es weiter zu der Großen Straße, vorbei an dem heutigen Messegelände. Schließlich standen wir auf den großen Steinplatten der Großen Straße, die ebenfalls als Parkplatz genutzt wurde. Sie sollte früher zum Märzfeld führen, das jedoch nie fertig gestellt wurde, wie die wenigsten geplanten Bauten. Wenn man hört wie lang diese Straße ist, können einem leicht schon einmal in Gedanken die Füße weh tun. Diese Straße wurde nie zu ihrem eigentlichen Zweck, für Parademärsche, genutzt, dafür aber nach dem 2. Weltkrieg als Landebahn für Flugzeuge. Wir verließen die Straße und gingen durch einen kleinen Park in Richtung Zeppelintribüne, immer um den großen Teich herum. Obwohl wir bis jetzt nur einen kleinen Teil des geplanten Reichsparteitagsgeländes gesehen hatten, ist es kaum vorstellbar, wie groß das Gelände eigentlich werden sollte. Auf den Stufen der Zeppelintribüne konnten wir über das gesamte Zeppelinfeld schauen, das größer ist als 12 Fußballfelder. Auf der Tribüne und auf dem Feld war Platz für bis zu 200000 Menschen, die während der Reichsparteitage öffentlichen Reden lauschten oder bei Militärparaden zuschauten. Ein besonders Spentakel soll der Lichtdom gewesen sein, bei dem 150 Flackscheinwerfer senkrecht in den Himmel strahlten, was wir auch auf Bildern sehen konnten. Wir konnten noch ein letztes Mal Fragen stellen, dann hieß es Abschied nehmen; unsere Führung war zu Ende. Wir hatten noch etwas Zeit für uns, konnten uns alles etwas genauer anschauen und eine kurze Pause einlegen, um uns auszuruhen und was zu essen. Danach ging es wieder zurück zur Kongresshalle, um das Museum zu besichtigen. Mit Audioguides bewaffnet durften wir uns selbstständig alles anschauen. Neben einigen zeitgenössischen Funden konnte man sehr viele Bilder und Filme sehen. Darunter war auch, neben mehreren Dokumentationsfilmen, die von der NS-Zeit berichteten, ein Film von Leni Riefenstahl, die für die Nazis einen beschönigenden Film über ihr Handeln drehte. Aber vor allem die Dokumentationsfilme, in denen Betroffene ihr Leben und ihre Gefühle schilderten, konnten einem ziemlich nahe gehen. Zudem waren Bilder und Informationstafeln ausgestellt, die z.B. über die Pogromnacht oder die Nürnberger Gesetze informierten. Auch das ganze Reichsparteitagsgelände konnte man noch einmal von der Vogelperspektive betrachten. Nach viel zu kurzer Zeit (gegen Ende hin wurde sie wirklich etwas zu knapp, den letzten Teil der Ausstellung konnte man leider nur noch überfliegen) mussten wir wieder in den Bus steigen und ab ging´s nach Hause.

Alles in Allem kann man sagen, dass es ein sehr schöner und interessanter Tag in Nürnberg war. Man hat einen sehr guten Einblick in die Zeit der Nazis erhalten und viel Neues erfahren. Vor allem für diejenigen, die sich sehr für die Zeit vor und während dem 2. Weltkrieg interessieren, hat das Dokumentationszentrum einiges zu bieten. Das einzige Problem war leider nur die Zeit, die uns viel zu schnell weggelaufen ist.

(Sandra Meyer, Klasse 9b)

Zurück Nächstes Bild Vorwärts