Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Dr. V. E. Kacic und C.-U. Schmid als Referenten für das Kollegium
Am Nachmittag des 29. September kamen Dr. Victor Enrico Kacic, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Aschaffenburg, und Carl-Ulrich Schmid, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Miltenberg, an das Johannes-Butzbach-Gymnasium, um das Kollegium über psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen zu informieren und sich mit der Lehrerschaft auszutauschen.


Zunächst referierte Dr. Kacic über Gefährdungsfaktoren und Schutzfaktoren im Hinblick auf stark verbreiteten Störungen wie Depressionen, Ängste, ADHS und Störungen des Sozialverhaltens. Im abschließenden Teil seines Vortrags stellte Dr. Kacic Präventionsmodelle vor und plädierte dabei für einen Paradigmenwechsel, dass nämlich durch verstärkte Beobachtungs- und Unterstützungsmaßnahmen in Familie, Kindergarten und Schule die Kinder frühzeitig so gestärkt werden, dass sie erst gar nicht in die Klinik kommen müssen.


Im zweiten Teil der Veranstaltung ging Carl-Ulrich Schmid, Kinderarzt aus Miltenberg, vor allem auf das Problem der Schulverweigerung als Alarmsignal ein, das Schule, Elternhaus und Ärzteschaft rasch zusammenführen sollte.
Die letzten 45 Minuten dienten einem regen Austausch. Es ging primär um folgende Fragen und Sorgen der Lehrkräfte:
  • Wie wirkt das veränderte Medienverhalten der Schüler auf deren Psyche zurück? (Antwort kurzgefasst: Vor allem labile Schüler sind gefährdet.)
  • Wie hoch ist der Anteil der psychisch kranken Schüler? (Antwort kurzgefasst: 20% aller Kinder und Jugendlichen leiden an psychischen Störungen, ca. 10% aller Schüler sind seelisch krank.)
  • Macht das G 8 die Schüler krank? (Antwort kurzgefasst: Vorsicht vor monokausalen Erklärungen; bislang kein signifikanter Zuwachs nachgewiesen; erhöhter Druck besonders für angepasste, fleißige, sensible SchülerInnen; Klage vor allem über Zeitdruck)
  • Welche Therapie wird bei Angststörungen eingesetzt? (Antwort kurzgefasst: vorwiegend Verhaltenstherapie; sehr gute Prognose)
  • Sind bei ADHS Medikamente sinnvoll? (Antwort kurzgefasst: vom Einzelfall abhängig; ca. 2/3 ohne Medikamente)



Neben reichlich Erkenntniszuwachs im Detail standen am Ende der Veranstaltung drei markante Tatsachen im Mittelpunkt:

  1. Der Anteil der psychisch kranken Kinder liegt seit Generationen konstant bei 20%. Die Ausprägungen der Symptomatik erscheinen allerdings verstärkt.
  2. Jungen leiden doppelt so häufig unter psychischen Störungen wie Mädchen. (Ausnahmen: Anorexie und Depressionen)
  3. Der sozialökonomische Status (relative Armut; geringer Wohnraum; Empfinden sozialer Ausgrenzung) birgt ein hohes Risikopotenzial für die psychische Anfälligkeit der Kinder.
(Roland Specht, StD)


Präsentation des Vortrags von Dr. Kacic (pdf)

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