POLIS-Fahrt 2016

"Das was Sie hier betrieben haben, war reale Politik!". Mit diesem Wortlaut betitelte Herr Rümenapp die hitzigen Wortgefechte und Diskussionen, welche von uns als Minister und hohe Vertreter der EU, auf der POLIS-Fahrt 2016 in Bad Kissingen geführt wurden.

Trotz der sonst eigentlich guten Atmosphäre in unserer Stufe (Q11), war nicht nur einmal die hochpolitische Situation kurz vorm Überkochen, denn so mancher Schüler konnte einen in der Rolle als Minister wirklich zur Weißglut treiben. Doch gerade diese realitätsnahe Umsetzung machte das Planspiel so einzigartig. Nach einem kurzen Vortrag zum Thema "Die EU und die Entwicklungszusammenarbeit vor dem Hintergrund der globalen Migration", waren die Grundlagen geschaffen und wir konnten mit dem Planspiel beginnen. Nach Zufallsprinzip erhielt jeder Schüler einen Posten als Außenminister in einem EU-Land. Drei Schüler hatten das Glück den besonderen Posten des hohen Vertreters der EU zu ergattern und dadurch das Planspiel einzuleiten. Zu Beginn starteten wir mit dem tatsächlich vorhandenen Problem der Überlastung Griechenlands mit ankommenden Flüchtlingen. Ziel war es eine einheitliche europäische Lösung zu finden. Doch dieses Finden einer gemeinsamen Lösung stellte sich bereits nach kurzer Zeit als wahre Herkules-Aufgabe heraus, denn jedes Land hatte natürlich eigene Ziele welche es verfolgte und auch verbissen versuchte durchzusetzen. So forderte es viel Kraft, Schweiß und zwei Tage Zeit bis wir stolz auf unseren scheinbar absolut perfekten Plan blickten. Einigen stand die Freude und Erleichterung am Ende ins Gesicht geschrieben, denn nicht wenige fielen abends völlig erschöpft ins Bett, obwohl wir eigentlich nur "diskutierten". Doch jeder von uns identifizierte sich so gewissenhaft mit seiner Rolle und stecke seine gesamte Kraft in das Projekt bis er völlig in seiner Rolle aufging. Gerade das, in Verbindung mit der formellen politischen Sprache, welche verwendet wurde, schaffte eine unglaubliche Atmosphäre und machte das ganze Planspiel wirklich zu einer fantastischen und einmaligen Erfahrung.

Das Programm war hier aber noch lange nicht zu Ende. Nachdem jeder Schüler wieder in seiner alten Persönlichkeit zurückgekehrt war und man wieder "Du" statt "Sie" sagte, erhielten wir von einem Jugendoffizier einen Vortrag über die Grundlagen der deutschen Sicherheitspolitik. Dieser kam einigen Schüler durch die detaillierte Erzählung eher zu lang vor, doch trotzdem hörten wir einen wirklich interessanten und - vielleicht zu - informativen Vortrag. Der letzte große Programmpunkt war zum Ende der Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Nachdem wir angemessen auf den Besuch am Abend davor vorbereitet wurden, waren wir bereit einen für uns völlig neuen, aber nicht unbekannten Ort zu betreten. Bereits bei der Ankunft im KZ legte sich die allgemein sonst so fröhliche Stimmung und schwang in Schweigen um. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und durften eine der besten und bewegendsten Führungen in unserer Schulzeit genießen. Die kalte und einschüchternde Atmosphäre des Ortes ließ auch uns nicht unberührt und so kam es, dass es den ein oder anderen beim Anblick der Brennöfen oder beim Betreten des Leichenkellers wirklich schauderte. Eine wirklich extreme Erfahrung, die uns allen sicherlich noch lange in Erinnerung bleibt. Als sich, zurück am Heiligenhof angekommen, die Stimmung wieder etwas gelockert hatte, sollten wir das heute Gelernte in Gruppen in Form von Referaten noch einmal aufbereiten. Die Präsentationen erfolgten am Morgen des letzten Tages.

Die wirklich einzigartige und intensive Woche war hiermit schon zu Ende und jeder von uns ging mit einem anderen Gefühl ins Wochenende, doch eins war die Fahrt auf jeden Fall und zwar lehrreich. Wir erlangten so viele Einblicke in die Politik und in die schreckliche NS-Zeit, dass es wohl noch das Wochenende dauerte alles zu verarbeiten. Alles in Allem eine einzigartige Klassenfahrt, die viel zu bieten hat.

(Lukas Hamberger, Q 11)

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