Junge Menschen - immerzu "Online"

Ein Theaterstück des Weimarer Kultur-Express über die Gefahren des erreichbar Seins am Johannes-Butzbach-Gymnasium Miltenberg
In ihrem einstündigen Stück griffen am Donnerstag die beiden Schauspielerinnen vom Weimarer-Kultur-Express Gisa Wilfarth (Jule) und Madeleine Weiler in der Doppelrolle als deren Mutter und Elli, die beste Freundin, die "Online-Sucht" und deren Gefahren für den zwischenmenschlichen Bereich in der Aula des Johannes-Butzbach-Gymnasiums vor den Schülern der 8. bis 10. Jahrgangsstufe auf.

Wie die Reaktion der jungen Zuschauer in der abschließenden Diskussion zeigte hielt das Stück ihnen einen Spiegel über das eigene Verhalten vor. Das Stück wollte aber nicht nur Mahnung sondern auch Hilfe sein. Gleichermaßen wurden daher Möglichkeiten zu einer Abhilfe bei einer solchen Sucht von den engagierten Schauspielerinnen dargestellt.

Unter der Regie von Katrin Heinke mühen sich Jule, die Tochter, deren Freundin Elli und die alleinerziehende Mutter ab ihre zwischenmenschlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Jules altes Handy ist internetfähig, aber alt und wenig leistungsstark. Zu ihrem Geburtstag bekommt sie das neue, heißersehnte Smartphone. Damit eröffnet sich ihr ein noch schnellerer, leichterer und vor allem ortsungebundener Zugriff auf Spiele- und Netzwerkportale. Das Immer-Online-Sein wird eine neue Lebensempfindung für Jule. Ihre realen Freunde, vor allem ihre beste Freundin Elli und ihre bis dahin geliebten Hobbys geraten immer mehr in den Hintergrund. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter und zu anderen Angehörigen leidet. Elli vernachlässigt die Schule, ihre häuslichen Pflichten, am Ende sich selbst. Doch die neue Leidenschaft birgt auch noch andere Gefahren. Die Handlung spitzt sich zu, als Jules Mutter die erste Handyrechnung ihrer Tochter empfängt. Jule tappt in Kostenfallen, erhält Rechnungen von diversen Abonnements. Am Ende dämmert es der Mutter, dass Jule abhängig vom Smartphone ist. In ihrer Wut verwüstet Jule die Wohnung der Mutter, die als einzige Lösung eine Therapie für die Tochter sieht.

Der Sprung gelingt, die Therapie schlägt an. Am Ende kann Jule feststellen: "Die Welt ist einfach nur schön." Sie kann mit ihrer Freundin Elli die Welt auch ohne durch das Handy gefilterte Brille erfahren.

(Werner Kimmel)


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(Fotos: Bodo Weitz)

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