POLIS-Fahrt 2017

"Sehr geehrte Herren Kollegen Minister, ich darf Sie zur Sitzung des Hohen Rates der Europäischen Union begrüßen" - wenn sich Schülerinnen und Schüler der elften Jahrgangsstufe mit einer derartigen Formulierung begrüßen, dann muss ein besonderer Anlass vorliegen - und den gab es auch: Mitte Februar 2017 haben die rund 70 Gymnasiasten an einem politischen Bildungsseminar unter dem Leitthema "Politische Beziehungen in einem veränderten Umfeld - Die europäische Union vor neuen Herausforderungen: Migration und Integration" teilgenommen und sich dabei unter anderem auch in der Position eines Außenministers versucht.

Dabei erhielten die jungen Außenminister und ihre Vertreter zunächst eine Einführung in die wichtigsten Grundlagen der Europäischen Union und verschafften sich zunächst unter der fachkundigen Anleitung von Referent Frank Erb einen geographischen Überblick über den rund 4,5 Millionen Kilometer umfassenden Staatenverbund. Nachdem die wesentlichen Verfassungsorgane der Union den Teilnehmern bereits aus dem Unterricht bekannt waren, konnte nach einer kurzen Einführung in die Diskussionskultur in einem Parlament auch schon mit dem sogenannten "Planspiel" begonnen werden, wobei es galt, eine Lösung zur Verteilung der Asylsuchenden zu finden, einem Thema, wie es aktueller nicht sein könnte. In teilweise heißen und langwierigen Debatten, wobei durch die formale Sprache sowie die zu erfüllenden Rollen eine völlig neue Atmosphäre geschaffen wurde, war so manches Mal die sonst herrschende Harmonie in der Jahrgangsstufe etwas beeinträchtigt, doch "keine Politik ohne Konflikte", so Erb. Und auch wenn die Arbeit eines Politikers häufig etwas belächelt wird: nach einem Tag voller angespannter Diskussionen merkten die Schülerinnen und Schüler, dass auch Sprechen und Denken auf Dauer durchaus anstrengend sein kann. Bei der abschließenden Auswertung des Planspiels wurde deutlich, welch großen Anklang diese didaktische Methode gefunden hat, waren doch die "Parlamentssitzungen" eine völlig neue Erfahrung, die auf durchweg positiv bewertet wurde.

Doch neben der praktischen Arbeit kam auch der theoretische Teil nicht zu kurz. In der zweiten Hälfte des Seminars erarbeiteten die Teilnehmer unter der Leitung von Referent Ulrich Rümenapp das Thema "Menschenrechte" in all seinen Facetten. In einem anschließenden Vortrag eines ehemaligen Bundeswehr-Offiziers erfuhren die Teilnehmer über die internationalen Einsätze der Bundeswehr und über die Bedeutung der Menschenrechte in Krisengebieten. Dabei konnte der Referent angesichts seiner Zeit, die er in Afghanistan verbracht hat, auf anschauliche Weise das Leben in diesem Land näherbringen und anhand seines mitgebrachten Anschauungsmaterials auch einen praktischen Teil in seine Ausführungen einbinden. Dabei spürten insbesondere die Schülerinnen nach dem Tragen einer Burka, wie das Leben der Frauen in einem derartig strukturierten Land sich wohl anfühlen muss.

Nachdem am Abend mittels einiger Filme und einem informativen Kurzvortrag das Thema "Menschenrechte im Konzentrationslager Buchenwald" bereits angeschnitten wurde, traten die Teilnehmer am kommenden Tag mit gemischten Gefühlen die Fahrt nach Buchenwald an, teilweise entlang der Bahnstrecke, über die damals die Häftlinge das Lager erreichten. Der Blick auf die nun verwachsene Bahntrasse stimmte schon auf die Stimmung ein, die auf dem Gelände herrschte. Im Rahmen einer sehr ansprechend gestalteten und informativen Führung über das ehemalige Lagerareal konnten die Schülerinnen und Schüler das bisher nur theoretisch im Unterricht erarbeitete Thema "Konzentrationslager" mit eigenen Augen erfahren und erhielten so einen ganz anderen Blick auf die grausame Zeit des NS-Regimes. Spätestens beim Blick in den Leichenkeller und die Brennöfen, Orte, an denen die Zeit stehen geblieben scheint, verstärkte sich die bedrückende Stimmung.

Diese Stimmung hielt auch auf der Rückfahrt nach Bad Kissingen weiter an, dennoch wurde die Exkursion als wertvolle Bereicherung angesehen, weiß man doch nun, welche Geschichten und Schicksale hinter den Buchstaben "KZ" stehen und auf welche Weise die Insassen dort ihr Dasein fristen mussten.

Nach diesen Eindrücken hatte sich die für alle Teilnehmer einzigartige und eindrucksvolle Woche dem Ende entgegen geneigt, die sowohl aufgrund der Erfahrungen im praktischen Bereich mit der Methode "Planspiel", als auch im theoretischen Bereich mit dem bedeutenden Thema "Menschenrechte" sowie der eindrucksvollen Exkursion nach Buchenwald noch lange in Erinnerung bleiben wird.

(Autor: Jakob Link, Q11)


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(Fotos: Werner Kimmel)

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