Stolpersteinverlegung 2017

Nach 2016 beteiligten sich auch in diesem Jahr Schüler des Johannes-Butzbach-Gymnasiums an der Verlegung der Stolpersteine für die deportierten und ermordeten Miltenberger Juden. Hierbei übernahmen die 16 Jugendlichen aus der 9. Jahrgangsstufe die Patenschaften für die Familien Stargardter und Dahlheimer, die miteinander verwandt waren und nicht weit voneinander entfernt in der Hauptstraße wohnten.

Vor dem Haus Nr. 78 (heute Kleidungsgeschäft Steinwinter) stellten die Schüler während der Steilverlegung die Biographien von Adolf und Frieda Stargardter vor, die beide 1941 im Ghetto Minsk ermordet wurden. Ihre fünf Kinder konnten auf unterschiedlichen Wegen Nazi-Deutschland verlassen, weshalb bei der Verlegung auch die Enkel aus Israel und Kanada mit Ihren Familien anwesend sein konnten. Höhepunkt an dieser Station war der fiktive, aber realistische Monolog von Frieda Stargardter im Minsker Ghetto, den Helena Balles verfasst hatte. Er wurde mit großem Einfühlungsvermögen von Margarita Shlyakhetko vorgetragen.

Die Familie Dahlheimer betrieb in den Räumen der Buchhandlung Casa Rossa (Hauptstraße 68) ihr Geschäft bzw. wohnte über dem Laden. Hier wurden Stolpersteine für das Ehepaar Wolfgang und Flora, deren Sohn Martin sowie für Wolfgangs Bruder Leopold und dessen Frau Rosa verlegt. Nach den biographischen Informationen verlasen Klara Bock und Paul Golze einen fiktiven Dialog des Ehepaares, das diesen am 12. Mai 1938, dem 7. Geburtstag des Sohnes, so hätte führen können. Darin kamen die Sorgen über die zunehmende Diskriminierung in Miltenberg und die große Zukunftsangst der beiden zum Ausdruck. Leider war diese nicht unbegründet, denn Wolfgang wurde 1942 im Ghetto von Lodz, seine Frau im gleichen Jahr im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Sohn Martin überlebte seine Eltern noch zwei Jahre, bevor auch er im Alter von erst 13 Jahren, ebenfalls im Lager Kulmhof, ermordet wurde.

Durch ihre Teilnahme an der Stolpersteinverlegung haben die Schülerinnen und Schüler nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur der Stadt Miltenberg geleistet, sondern auch mitgeholfen, das größte dezentrale Holocaust-Mahnmal weiter auszubauen. Und nicht zuletzt haben sie durch die Beschäftigung mit den individuellen Schicksalen erfahren, dass der Rassenwahn der Nationalsozialisten auch vor dem beschaulichen Miltenberg nicht Halt gemacht hat.

Beteiligte Schüler: Balles, Helena; Bock, Klara; Glatzel, Noah; Golze, Paul; Hinz, Charlotte; Höfling, Lisa; Hör, Giuliana; Kervick, Ciarán; Paulus, Klara; Kolb, Linda; Ruf, Pauline; Ruprecht, Maximilian; Schmitt, Jonas; Shlyakhetko Margarita; Stark, Anna; Vogel, Elke

(Christoph Grein)

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(Fotos: Christoph Grein)

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