Wie sagt man "Hallo" auf Polnisch? -
eine deutsch-polnische Jugendbegegnung in Krzyzowa

Warum nach Polen? Als wir von Frau Kühl das Angebot bekamen, als inzwischen dritte Klasse mit einer polnischen Schülergruppe einige Tage in einer Jugendbegegnungsstätte in Polen zu verbringen, hat das ehrlich gesagt erst einmal wenig Gefühle in uns ausgelöst. Zwar ist Polen unser Nachbarland, aber mehr als die typischen Klischees sind uns erst einmal nicht eingefallen. Krzyzowa (oder Kreisau) wurde uns als ein kleines Dorf in der Nähe von Breslau beschrieben, das aber durch den Kreisauer Kreis eine historische Bedeutung gewann. Obwohl wir uns nicht viel darunter vorstellen konnten, haben wir, da man ja bei einer Klassenfahrt bekanntlich nie nein sagt, voller Vorfreude zugestimmt.

An einem Samstagmorgen Ende Mai trafen wir uns dann mit Frau Kale und Frau Kühl alle mehr oder weniger wach am Bus, brachten die etwa zehnstündige Fahrt mit Musik, schlafen, Netflix und einigen Pausen hinter uns und trafen dann pünktlich zum Abendessen im Gelände der Jugendbegegnungsstätte, einem ehemaligen Gutshof, zum ersten Mal auf die polnische Gruppe aus Ostrzeszów, einer Kleinstadt in Niederschlesien. Zuerst beäugten wir uns nur aus einiger Entfernung, aber schon beim Abendprogramm, bei Kennenlernspielen und anschließender Freizeit lernten wir uns näher kennen und fanden schnell Gleichgesinnte. Oft saßen wir in der Mittagspause oder vor der Nachtruhe gemeinsam auf der Wiese oder im Zimmer, quatschten, spielten Frisbee und Fußball oder futterten die mitgebrachten Süßigkeiten. Im Laufe der Tage wurden die polnischen Schüler für viele von uns sogar zu richtigen Freunden.



Wir hatten ein abwechslungsreiches Programm mit Sprachanimation, Spielen und Workshops. Dabei lernten wir nicht nur einige Wörter auf Polnisch und hatten viel Spaß mit landestypischen Zungenbrechern, sondern setzten uns in kleinen Gruppen zudem mit dem Thema "Vielfalt und Toleranz" auseinander. Und auch wenn wir uns jetzt auf Polnisch begrüßen und verabschieden können und die polnischen Schüler bereits zwei Jahre Deutsch lernen, verständigten wir uns vor allem auf Englisch, was überraschenderweise ganz gut klappte. Bei einer wirklich interessanten Führung durch das Gelände und zum "Berghaus" konnten wir nicht nur etwas über die Gründungsgeschichte der Begegnungsstätte erfahren, sondern auch unsere Geschichtskenntnisse zum "Kreisauer Kreis" und dem Thema "Widerstand" vertiefen.

Am dritten Tag stand unser gemeinsamer Ausflug nach Wroclaw (oder Breslau) auf dem Plan. Also brachen wir bei strahlendem Sonnenschein mit unserem nun bis auf den letzten Platz besetzten Bus auf und erreichten nach zahlreichen polnischen Hits, die die polnische Gruppe voller Begeisterung lautstark mitsang, die lebendige Universitätsstadt. Nach einer Rallye durch die schöne Innenstadt rund um den Marktplatz, der Begegnung mit der für die Stadt typischen kleinen Zwergen und einem Spaziergang zur Dom-Insel war unser nächstes Ziel das Einkaufszentrum und damit das langersehnte Shopping. Als wir dann am Abend beim Lagerfeuer leider vom Regen überrascht wurden, war uns klar, dass wir uns für den Städtetrip genau den richtigen Tag ausgesucht hatten, denn das schlechte Wetter hielt für den letzten Tag an.



Insgesamt waren die Abende für uns die perfekte Gelegenheit mit den Polen bei Sport oder angeblich zu lauter Musik und Gesprächen unsere Freizeit zu genießen und Kontakte zu pflegen. Am letzten Abend stellten wir uns gegenseitig schließlich unsere Heimatorte, unsere Schulen, spezielle Snacks und einen typischen Song des anderen Landes vor, bevor wir die übrige Zeit beim gemeinsamen Feiern genossen. Am Abschiedsmorgen vor unserer Rückreise (die polnische Gruppe hatte nur zwei Stunden Fahrt vor sich) flossen nach dem Verstauen der Koffer auf beiden Seiten die Tränen und mehr als nur einmal wurden Nummern ausgetauscht. Rückblickend war die Fahrt wirklich mehr als nur "wir besuchen unsere uns fremden Nachbarn" - wir haben nicht nur einige polnische Wörter gelernt, sondern auch viele Erfahrungen und schöne Erinnerungen gesammelt, die wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

(Charlotte Legler, Jannika Lutz, Geraldine Ziegeler - Klasse 9b)


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