Genie oder Wahnsinn? Dürrenmatts „Physiker“ am JBG

„Darf der Mensch alles, was er kann?“, blieb dem Schulleiter des Johannes-Butzbach-Gymnasiums Miltenberg, Ansgar Stich, als großes moralisches Dilemma im Hinterkopf. Das Mittel- und Oberstufentheater fesselte mit dieser zeitlosen Frage sein Publikum. In einer ebenso packenden wie glänzend gespielten Inszenierung brachten die Schülerinnen Friedrich Dürrenmatts Klassiker „Die Physiker“ an zwei Tagen auf die Bühne der sehr guten besetzten Aula. Die durchweg starke Präsenz der Figuren, insbesondere der drei titelgebenden Wissenschaftler Möbius, Einstein und Newton, sorgte dafür, dass der innere Zerriss zwischen genialer Forschungsleistung und der Verantwortung für die Welt glaubhaft verkörpert wurde. Regisseurin und Lehrerin Sandra Meyer setzte mit Unterstützung der sehr professionellen Bühnentechnik auf klare Requisiten und ein kammerspielartiges Bühnenbild. Die schlussendlich bittere Erkenntnis, dass das, was nun mal in der Welt ist, nicht zurückgenommen werden kann, ist höchst aktuell und hinterließ ein durchaus bewegtes Publikum. Das Plädoyer für Verantwortung und Mut lebte von der schönen Inszenierung, der präzisen Vorbereitung und insbesondere vom professionellen sowie engagierten Spiel der Schülerinnen. Schulleiter Stich sah auch darin einen besonderen pädagogischen Wert: „Schultheater ist mehr als Freizeitgestaltung: Es ist die zugleich ernsthafte wie auch unterhaltsame Beschäftigung mit zuweilen sehr großen Fragen. Toll gemacht, weiter so!“ Das begeisterte Publikum machte im langanhaltenden Applaus deutlich, dass es offensichtlich auch dieser Meinung war.

(Christoph Grein)

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