Faust – das bleibt unter uns
So lautet ein bekannter Werbeslogan des Miltenberger Brauhaus Faust, das der Wirtschaftskurs 1wr2 gegen Ende des Schuljahres und zur Abrundung des behandelten Themengebietes „Betriebswirtschaft“ besuchte. Die 20 Schülerinnen und Schüler des Kurses wurden von Geschäftsführer Johannes Faust persönlich mit den vielfältigen Facetten einer mittelständischen Brauerei vertraut gemacht. Von der abwechslungsreichen Geschichte bis hin zu den neuesten Entwicklungen auf dem Biermarkt und ihren Auswirkungen auf den Betrieb wurden viele betriebswirtschaftliche Fragen, die der Kurs zum Teil im Vorfeld der Betriebserkundung erarbeitet hatte, aufgegriffen und sehr informativ und detailreich beantwortet.
So gibt der oben zitierte Werbespruch sehr gut wieder, mit welcher Philosophie die Brauerei arbeitet: lokale Verwurzelung, regionale Verbundenheit und Kundennähe gepaart mit einem hohen Qualitätsanspruch spielen eine zentrale Rolle für den mittel- bis langfristigen Erfolg des Brauhauses. Johannes Faust geht aber auch deutlich auf den hohen Kostendruck und schärfer werdenden Wettbewerb auf einem stark schrumpfenden Biermarkt ein, bei dem Woche für Woche nicht wenige kleine Bierbrauer aufgeben und ihre Türen für immer schließen müssen. Lösungen dafür sieht der Geschäftsführer u. a. in der Entwicklung neuer Biersorten, z. B. auf dem noch wachsenden Markt für alkoholfreie Biere, und dem Streben, dem eigenen Qualitätsanspruch auf Dauer gerecht zu werden. Wichtiges Element ist dabei das als „Slow Brewing“ definierte langsame Brauverfahren, das bis zur Auslieferung des Bieres mehrere Wochen, bei einigen Sorten sogar bis zu einem Jahr, in Anspruch nehmen kann.
Dieses Produktionsverfahren konnten die Jugendlichen beim Durchgang durch den Betrieb sehr gut nachvollziehen, vom Sudhaus über die nach oben offenen Gärbecken, bis hin zu den Reifetanks, bei denen das Bier mehrere Wochen gelagert wird und weiter reifen kann – ein Prozess, auf den viele Großbrauereien verzichten, um Kostenvorteile zu erreichen, allerdings dann „auf Kosten“ der Qualität. Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint auch die sehr persönliche Atmosphäre, die sich im Umgang innerhalb der „Brauhausfamilie“ zeigt und die Produktionsprozesse unterstützt, weiterentwickeln und verbessern kann. Resultat sind mehrere Auszeichnungen, die die Brauerei in den letzten Jahren erhalten hat, zuletzt als „Beste Brauerei Deutschlands 2024“.
Eine Probe der alkoholfreien Biere der Brauerei sowie auch eines neu ins Programm genommenen Cola-Mix-Getränks durfte natürlich nicht fehlen und wurde von den Schülerinnen und Schülern gerne angenommen.
Aus unserer Sicht eine rundum gelungene Veranstaltung, die sehr anschaulich betriebswirtschaftliche und produktionstechnische Aspekte vereint hat und für alle Beteiligten sehr lehrreich war. Vielleicht hat der eine oder andere dadurch auch einen potenziellen Arbeitgeber entdeckt.
Vielen Dank an Johannes Faust für die Zeit, die er sich für uns genommen hat, und an Cornelius Reith (Marketing und Kommunikation) für die Organisation der Veranstaltung, bei der am Ende noch jeder Teilnehmer einen „Fäustling“ mit auf den Weg bekam. Was sich dahinter verbirgt … muss man die beteiligten Schülerinnen und Schüler fragen.
(Bodo Weitz, 17.07.2025)
